Stephan on the road

Budapest - Tag 9 - Den Haag Pizzeria - 10.9.2014


Da ich der letzte war, der gestern ins Bett gegangen ist, war ich auch der letzte, der aufsteht. Bis auf den bemitleidenswerten Menschen im Bett unter mir, der krank ist und außer rumliegen und husten nichts so wirklich tut.

Nach einem spärlichen Frühstück geht’s auf in die Stadt und schließlich zum Rundgang über das jüdische Erbe in Budapest. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Budapest ein großes jüdisches Erbe hat und alle coolen Kneipen im jüdischen Viertel liegen. Und wohl auch die zweitgrößte Synagoge der Welt, aber das prüfe ich nochmal nach, weil sich das nicht so plausibel anhört (Die größte soll in New York sein, demzufolge wäre in Israel nur die drittgrößte?!).

Nach dem Rundgang gehe ich noch mit Josh aus Australien, Bianca aus Berlin und Arnül aus der Türkei auf ein Stück typisch ungarisch-jüdischen Kuchen. Wir teilen uns jeweils die Portionen, weil der Kuchen mehrschichtig ist und dementsprechend satt macht.

Kurz darauf teilen sich unsere Wege auch schon wieder und ich mache mich auf zum in der Nähe gelegenen Bahnhof Nyugati, um zu prüfen, welche Zugreisemöglichkeiten es gibt. Dabei stelle ich fest, dass Keleti der Bahnhof für internationale Verbindungen ist, aber ein Fahrplan von Keleti ist auch in Nyugati ausgehangen. Es gibt die Möglichkeiten Bratislava, Zagreb, Ljubljana und einige Verbindungen nach Rumänien. Ich hab mich noch nicht entschieden, aber Zagreb und Bratislava liegen klar vorne.

Nach einem Streifzug durch das hinter dem Bahnhof gelegenen Kaufhauscenter, wo ich kurz was speise, mache ich mich zu Fuß wieder auf zurück zum Hostel. Abends gibt es dann ein paar Nudeln im Hostel und ich quatsche mit Paul und Florian, zwei Studenten aus der Nähe von Düsseldorf, die fast zwei Wochen Urlaub machen in Budapest und schon wahre Experten in Sachen, die man hier alle machen kann, sind.

Koschere Pizza

Guter Name für eine Bar

Hochzeitsaltar

Treppenhaus von Hostel

Coole Kneipe

Wo sonst soll die Pizza her sein


Budapest - Tag 10 - Zitadelle - 11.9.2014

Ich werde wieder als letzter wach (bis auf den Typen, der immer schläft oder hustet) und schaffe es noch rechtzeitig bevor das „Frühstück“ abgebaut wird, einen Kaffee zu ergattern. Das „Frühstück“ in der Hostel ist zwar nett gemeint, aber besteht eigentlich nur aus Weißbrot, Nutella und Marmelade und Cornflakes mit Milch. Kein richtiges Brot, kein Käse oder Wurst. Ich begnüge mich mit Kaffee und esse die restlichen Pflaumen, die auch schon gestern da waren.

In meinem Zimmer wird rotiert und ich bekomme Gesellschaft aus Deutschland hinzu: Leni und Laura, zwei Studentinnen aus Bonn. Zwischen all diesen Studenten, die gerade erst mal 21 sind, komme ich mir hin und wieder schon richtig alt vor. Hoffentlich bleibt das nicht so...

Die Mädels wollen eine Stadttour machen mit dem Touristenbus, der alle möglichen Sehenswürdigkeiten abklopft. Naja, irgendwie nicht so meins und außerdem auch recht teuer (25€).

Es ist zwar zugezogen und tröpfelt auch leicht, aber ich mache mich trotzdem auf den Weg. Erstmal Bahnhof Keleti, um zu prüfen, wie schnell ich an ein Ticket im Ernstfall komme (der Schalter für internationale Tickets gestern in Nyugati war überfüllt mit ca. 1 Stunde Wartezeit) und auch hier das gleiche Bild. Ich soll eine Nummer ziehen.

Ein freundlicher Mensch, jedoch ohne Fremdsprachenkenntnisse, leitet alle Reisende für internationale Verbindungen an, sich eine Nummer zu ziehen. Das ist mir aber erst mal zu blöd und ich frage ihn nach dem Fahrplan, aber habe keine Chance, weil er mich nicht versteht auf Deutsch oder Englisch. Dann hab ich mich nett verabschiedet und bin wieder raus. Er ist mir aber offensichtlich gefolgt und gibt mir noch den Tipp am Informationsschalter nachzufragen.

Gute Idee, denke ich mir. Dort erhalte ich sogar ein Schnipsel mit Verbindungsdetails. Auf meine Bemerkung hin, dass der Schalter für internationale Tickets überfüllt ist, meint die freundliche Dame, ich soll es doch mal im Reisebüro um die Ecke versuchen. Da würde man auch solche Tickets für den selben Preis bekommen. Gesagt, getan. Es stimmte. Auf meine Frage, warum all die anderen Reisenden lieber über eine Stunde in der Schlange standen, hatte die Frau vom Reisebüro nur ein Schulterzucken übrig.

Darauf fahre ich spontan zum Parlament und bin fast überwältigt beim unerwartet schönem Anblick dieses Gebäudes. Architektonisch hat Budapest wirklich einige Perlen im Programm. Ich stehe direkt an der Donau und möchte rüber nach Buda und laufe zum nächsten Kai, wo gerade ein Personenschiff anlegt und ich an Bord gehe. Neben mir sind noch zwei weitere Gäste an Bord. Das Schiff ist leider nach außen komplett abgeschirmt und riecht innen sehr stark nach Abgasen und Diesel, so dass ich nach zwei Haltestellen schon von Bord gehe, allerdings auf der Buda-Seite.

Dort gibt es erst mal ein leckeres Schnitzel mit Pommes bevor ich mich auf den Weg zur Zitadelle rauf mache. Der Weg hat es in sich und ich werde abends von Leni und Laura dafür gelobt, weil sie dort mit dem Bus rauf sind.

Oben jedenfalls bietet sich einem eine fantastische Sicht auf Budapest, bei dem Wetter leider nur halb so schön, aber ein paar Fotos werden ordentlich. Abends quatsche ich wieder mit ein paar Leuten in der Hostel und hole eine Menge Reisetagebuch nach. Schließlich stehe ich ja im Dienste meiner lieben Leser :-)

Meiner Einer mit Parlamentsgebäude

Parlamentsgebäude

Bahnhof Keleti von Vorne

Eine von den vielen schönen Brücken

Palamentsgebäude flußseits

Von der Zitadelle auf Budapest

Pizzaschildmann


Budapest - Tag 11- Känguru und Emu - 12.9.2014


Ich stehe für meine Verhältnisse ordentlich früh auf und frühstücke die Pflaumen die ich gestern sehr günstig erstanden habe mit einer Tasse Kaffee und quatsche währenddessen mit Leni und Laura, die gestern noch auf einer Erasmus-Party waren und noch nicht den frischesten Eindruck machen...

Heute möchte ich um Viertel vor Drei den Zug nach Zagreb nehmen und die Karte kurz vorher im Reisebüro kaufen. Da bis dahin noch viel Zeit ist, checke ich aus, lasse meinen Rucksack aber in der Hostel, um mir noch das „Terror-House“ anzugucken.

Dort angekommen, stelle ich fest, dass ich irgendwo anders gelandet bin. Es sieht eher aus wie eine Ausstellung für Pop-Art des besonders abartigen Geschmacks. Man müßte mir echt einiges zahlen, damit ich mir so einen kitschigen bunten Mist ins Wohnzimmer hänge...

Aber die Leute hier scheinen ihren Spaß zu haben und sind auch alle sehr gut gekleidet (wo ich in meinem praktischen Reiseoutfit etwas aus der Norm falle...)

Ok, das war zwar interessant, aber nicht unbedingt das, was ich wollte. Also nächster Versuch. Ich laufe weiter durch das Viertel und entdecke einen indischen Laden, wo ich sogleich Gewürze kaufe.

Darauf entdecke ich wirklich das Terror-House (also die ungarische Version der Stasi, womit der Staat unter faschistischer und kommunistischer Herrschaft mit dem gleichen Personal die Bevölkerung überwacht hat). Es ist wirklich sehr düster gehalten, am Eingang wird sofort eine betrübende und dunkle klassische Musik gespielt. Bei den Eintrittspreisen verdüstert sich auch meine Stimmung. 2000 Forint ist mir zuviel, wenn man bedenkt, dass ich nur noch gerade eine Stunde Zeit habe. Also zum Bahnhof Nyugati, wo ich gestern einen Zeitungsstand erspäht habe, der deutsche Zeitungen verkauft.

Dort angekommen, suche ich mir einen Wolf. Das ganze Kaufhaus rauf und runter, aber dieser Stand lässt sich nicht mehr finden. Und die Zeit rennt, ich will ja meinen Zug kriegen... Gut, jetzt eben ohne Zeitung zurück zur Hostel, den Rucksack holen, zum Bahnhof Keleti, das Ticket kaufen, Reiseproviant kaufen und in den Zug rein. Gesagt, getan. Ich komme um kurz nach zwei ziemlich nassgeschwitzt am Bahnhof an und wundere mich, dass es sehr sehr lange Schlangen von Menschen gibt, die offensichtlich einen Fahrschein erstehen wollen. Ich befürchte das schlimmste... Die Schlange vor dem nationalen Ticketschalter ist mehrere Hundert Meter lang und reicht einmal vom oberen Teil des Bahnhofs die Treppen hinunter bis zum unterirdischen Teil beim Ausgang aus der Metro. Erschreckend...

Oben angekommen, prüfe ich, was mein „Ass im Ärmel“, das Reisebüro macht. Und panisch stelle ich fest, dass auch dort eine sehr lange Schlange zustande gekommen ist. Verdammt, denke ich, bis mir auffällt, dass die Schalter für internationale Verbindungen davon gar nicht betroffen sind. Die Mitarbeiter dort scheinen sich sogar zu langweilen... Perfekt. Ich schlängele mich durch die Schlange, setze mich auf einen freien Stuhl vorm Schalter und erkläre der Dame dahinter, dass ich nach Zagreb möchte.

Ich frage auch nach der Schlange und das scheint wohl daran zu liegen, dass Freitag ist und alle Leute nach Hause wollen. Viele wohnen wohl nicht in Budapest oder nur vorübergehend. Jedenfalls habe ich mein Ticket, kaufe noch kurz ein paar belegte Brote und einen Schokoriegel und gehe an Bord des Zuges. Zum Glück habe ich einen Sitzplatz reserviert, weil viele Menschen den Zug besteigen und die wenigsten einen reservierten Platz haben. Die meisten sind wohl „Ausländer“, man findet kaum jemanden, der ungarisch spricht, statt dessen sprechen die meisten englisch. Nach einiger Zeit ist meine Vierer-Sitzreihe voll mit einem amerikanischen Pärchen, einer sehr jungen Australierin und mir.

Zu der Australierin vorzudringen ist schwierig, sowohl die Amerikaner wie ich scheitern. Also unterhalte ich mich ab und zu mit dem Pärchen, die wohl ihren Trip nach Europa bis ins kleinste geplant haben und mir sogar Tipps zu den Reisezeiten und Straßenverhältnissen auf bestimmten Routen in Kroatien geben können. Ich entgegne, dass ich eigentlich erst seit gestern weiß, dass ich nach Kroatien fahre und eigentlich überhaupt wenig über das Land weiß. Wir beeindrucken uns gegenseitig mit der unterschiedlichen Herangehensweise. Wie unterschiedlich man doch reisen kann...

Die Zugfahrt zieht sich und an der Grenze betreten erst die ungarischen Grenzpolizisten und dann die kroatischen den Zug und lassen sich alle Pässe zeigen. Kroatien ist zwar Mitglied der EU, aber nicht von Schengen. Und auf dem australischen Reisepass sind vorne ein Känguru und ein Emu abgebildet. Witzig... Nachdem wir den ersten Ort hinter der Grenze erreicht haben, müssen wir den Zug wechseln und kommen gegen 21 Uhr in Zagreb an.

Zum Glück habe ich mich im Vorfeld gut informiert, wie ich zum Hostel gelange. Ich kaufe am Bahnhof ein Ticket für die Straßenbahn, gehe an Bord von Nr. 2, finde keine Möglichkeit das Ticket auch abzustempeln und steige ca. 8 Haltestellen später wieder aus. Von dort soll ich Richtung Süden laufen für ca. 10 Minuten. Ohne Kompass gar nicht so einfach. Ich gucke auf den Straßenbahnplan und hoffe, dass oben auch Norden ist, weil dann wäre rechts von mir Süden. Es regnet Gießkannen und habe Angst, dass ich klitschnass in der Hostel ankomme, wenn ich jetzt einfach so loslaufe. Mir fällt plötzlich ein, dass ich für solche Fälle ja meine Regensachen dabei habe. Also ziehe ich die sofort drüber. Was einem in den Anden nützlich sein kann, kann auch in Zagreb nicht schaden!

Ich laufe also los und nehme die nächste Abbiegung, die hoffentlich Süden ist. Ich verlasse die Hauptstraße und bewege mich offensichtlich direkt in ein Industriegebiet rein. Diverse Fabriken sind hier gelegen und Arbeiter in gelb leuchtenden Uniformen laufen an mir vorbei.

Ich denke mir, dass das ja noch ein längerer Abend werden kann, für den Fall das ich falsch laufe. Aber ich laufe weiter und nach ca. 10 Minuten Industriegebiet erkenne ich tatsächlich ein Schild mit der Aufschrift Hostel und einem Pfeil nach rechts. Dem folge ich natürlich und denke mir, dass das alles ja nicht ernst gemeint sein kann. Ich laufe über einen riesigen Parkplatz einer Firma und sehe tatsächlich noch ein Schild und bin quasi angekommen. Um ehrlich zu sein, ich hab das Ganze anfänglich für einen Scherz gehalten oder für eine Pseudo-Unterkunft, um ahnungslose Reisende auszunehmen, aber es ist wohl wirklich eine Hostel.

Die elefantöse Hostel-Fee begrüßt mich freundlich. Sie hat lange dunkle Haare, aber auch einen sehr großen, merkwürdig proportionierten Körper. Die Hostel ist aber deutlich attraktiver. Alles sehr neu und funktionstüchtig. Ich suche mir aus dem Schrank irgendwelche Nudeln zusammen, die jemand liegengelassen hat und koche mir ein Abendessen, bevor ich dann ziemlich geschafft ins Bett gehe. Kurz vorher lerne ich noch meine Mitbewohner, ein junges polnisches Studentenpärchen kennen.

Terror House Erster Versuch

Kitschiger Mist

Richtiges Terror House

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