Stephan on the train

Kayseri - Tag 51 - TransAsiaExpress - 22.10.2014

Heute ist es endlich soweit und es geht in Richtung Iran. Darauf freue ich mich schon seit Jahren. Heute um halb 6 werden wir mit dem TransAsiaExpress von Kayseri nach Täbriz fahren. Die Fahrt wird von Heute (Mittwoch) bis Freitag Morgen dauern. Zwischendurch wird der Zug durch eine Fähre ersetzt, wenn der Van-See durchquert wird. Hinter dem Van-See steigen wir in einen iranischen Zug, der uns dann nach gut 150 km zur und über die Grenze bringen wird. Falls ich unterwegs nicht die Möglichkeit haben werde, einen Upload durchzuführen, kommt der nächste wahrscheinlich erst am Freitag irgendwann. Und dann aus dem Iran. Ich freue mich schon darauf :-)

Kayseri, Ostanatolien - Tag 51 - Nachtrag - Kayseri und TransAsiaExpress - 22.10.2014

Ich wache auf und draußen ist ein Minimum an Tageslicht erkennbar. Wir haben kurz vor 7 Uhr. Mahtab schläft noch und wenn ich am Wohnzimmer vorbeilaufe, sehe ich, dass Fares auch noch schläft. Als ich vom Wohnzimmer wieder komme, ist Mahtab wach und wir unterhalten uns über unsere Tagesplanung. Kurz darauf schlafe ich unerwartet wieder ein.

Grosser Religioeser Fuehrer

Um 20 nach 9 Uhr werde ich wieder wach. Ich wundere mich, dass ich wieder eingeschlafen bin. Der Boden auf dem ich liege, muss bequemer sein als ich vermutet habe. Jedenfalls machen wir uns fertig, die Wohnung zu verlassen und nehmen ein Taxi zum Bahnhof, um ein Ticket zu kaufen.

Fares übernimmt die Interaktion mit dem Schalterpersonal, weil er etwas türkisch spricht aber leider keine Ahnung hat, was wir wollen. Er bestellt zwei Fahrkaten nach Teheran und ich muss eingreifen und sagen, dass wir erst mal nur bis Täbriz fahren möchten. Außerdem bin ich mir über die verschiedenen Auswahlmöglichkeiten des Zugkomforts nicht wirklich im Klaren und muss immer nachhaken. Aber letzten Endes bekommen wir es hin, kaufen zwei Fahrkarten und haben jetzt noch 4 Stunden in Kayseri, um die Stadt kennenzulernen.

Daher holen wir als nächsten Fares Freundin Atusa und ihre Cousine Elham ab und sind damit dann zu Fünft unterwegs. Wir frühstücken ins einem recht netten Restaurant aber ich habe keine Lust auf das typische türkische Frühstück mit Unmengen an Weißbrot und bestelle statt dessen Chicken Wings mit Pommes. Und diese Mahlzeit sollte sich auch als sehr nachhaltig herausstellen.

Fruehstueck

Nach dem Frühstück, was für mich gleichzeitig Mittagessen ist, laufen wir weiter durch Kayseri und kommen an einer alten Festungsmauer in der Innenstadt vorbei. Heute haben sich in dem Mauerwerk überwiegend Tauben eingenistet und nutzen die Löcher im Putz für ihre Zwecke. Im überdachten Bazar gucken wir uns auch um. Ich bin auf der Suche nach einem neuen Gürtel, weil meiner aus Stoff und ohne richtige Schnalle ständig rutscht und so seinem eigentlichen Zweck nicht richtig nachkommt.

Kurz darauf finden wir uns in einem Teehaus wieder und machen eine kleine Pause. Ich hole meinen Türkeireiseführer auf dem Kindle hervor und merke, dass Fares, Atusa und Elham dieses Gerät merkwürdig betrachten. Daher gibt es jetzt erst mal einen kleine Einführung ins Gerät. Darauf überfliege ich das Geschriebene zur Stadt Kayseri und muss feststellen, dass wir eigentlich schon alle Sehenswürdigkeiten im Vorbeilaufen mitgenommen haben. Viel mehr gibt es hier auch nicht. Man merkt deutlich, dass man hier nicht mehr an der europäisch-geprägten und liberalen Westküste ist, wo Städte wie Izmir oder Istanbul im Glanz erstrahlen. Das hier ist mitten im Land und sozusagen Kerntürkei. Ältere Frauen tragen grundsätzlich ein Kopftuch und bei den jüngeren ist es immerhin die Mehrheit, die es auch trägt.

Nach einer Runde durch einen Kaufhauskomplex verabschieden sich Atusa und Elham und wir kehren zu Fares Wohnung zurück, um noch schnell zu duschen und uns ebenfalls zu verabschieden. Hoffentlich kann Fares bald seiner Freundin folgen, die in den USA (Texas, wo sonst...) akzeptiert wurde und in 5 Tagen endgültig ihren Wohnsitz dorthin verlegen wird. Ich wünsche ihm und auch dem Karate-Kämpfer Milad alles Gute und eine schnelle Aufenthaltsgenehmigung in Nordamerika...

Kayseri ist irgendwie ganz in Ordnung, es gibt Shopping-Center und Kinos und dergleichen aber bei der Suche nach einem Laden, der Bier oder andere alkoholische Getränke anbietet, die in Izmir quasi überall erhältlich sind, müssen wir die Segel streichen. Im Endeffekt war es die richtige Entscheidung, hier nur einen Tag zu bleiben. Sonst wäre es vielleicht noch langweilig geworden.

Spaziergang durch Kayseri

Fischmann

Bazarmann

Altes Gemaeuer mit Handel

Konservative Mode neuesten Schreis

Wir fahren zum Bahnhof, da uns die Kartenverkäuferin mitgeteilt hatte, dass wir besser schon um 4 Uhr da sein sollen. War eine sehr praktische Information, da sich auf diese Art und Weise die Wartezeit auf den Zug von 1,5 Stunden auf fast 3 Stunden verlängert hat. Der Zug kommt statt um halb 5 erst um kurz vor 7. Aber dann im Zug zu sitzen sind sehr erleichternd und befriedigend. Es geht jetzt die nächsten 35 Stunden nach Osten.

Ich sitze nun im TransAsiaExpress und mir gehen verschiedene Gedanken durch den Kopf. Der Abend gestern mit all den verstörten Menschen, die als Flüchtlinge in einem anderen Land warten müssen, um wieder in ein ganz anderes Land einreisen zu dürfen hat meine kleine Euphorie über mein nächstes Reiseziel getrübt. Zu sehen, wie dieser Kämpfer, der schon an unzähligen Tournieren sehr erfolgreich teilgenommen hat und sein Metier wirklich beherrscht, überwiegend regungslos auf der Couch vor sich hin vegetiert und zwischendurch Zigaretten raucht, hat mich sehr traurig gemacht. Vor allem er. Bei den anderen ging es mir irgendwie nicht so nahe, weil sie vielleicht nicht ein so gutes Leben gehabt haben. Er konnte von seinen Wettkämpfen auf jeden Fall sehr auskömmlich leben und war Teil des iranischen Nationalteams in Karate. Aber seine Geschichte zu hören, hat mich zum Nachdenken gebracht.

Sonnenuntergang am Hbf Kayseri

Endlich an Bord

Ich sitze im Zug in Richtung Iran und freue mich einerseits, dass es orientalischer und abenteuerlicher wird aber andererseits bin ich mir auch bewußt, dass das iranische Regime durchaus seine Schattenseiten hat. Vielleicht kann man die als Ausländer sehr unproblematisch ausblenden aber mir ist das nun aber nicht mehr möglich. Nicht nach diesem Abend.

Dennoch freue ich mich, dass der Zug endlich da ist und alle an Bord sind. Die meisten Menschen im Zug machen einen persischen Eindruck. Mahtab meinte, als sie die Gespräche am Bahnhof belauscht hat, dass man sie zum einen für einen syrischen Flüchtling hält (warum auch immer...) und zum anderen, dass eine Menge Eltern ihre Kinder besucht haben, die hier in der Türkei leben oder darauf warten in einem anderen Land akzeptiert zu werden.

Ich sitze nun im Zug und mich ärgert, dass es nicht voran geht. Wir mussten nun insgesamt fast 3 Stunden auf den Zug warten. Dann möchte man auch, wenn man endlich drinnen sitzt, dass sich das blöde Ding endlich in Bewegung setzt. Pustekuchen! Der Zug steht erst mal und macht seine planmäßige Pause. Die Sitze sind für Menschen meiner Größe leider nicht bequem, Mahtab meldet keinerlei Probleme. Jedenfalls haben wir ein ganzes Vierer-Abteil für uns, was eine super Sache ist.

Rastlos laufe ich los ins Restaurant, um zwei Bier zu organisieren und auch zu prüfen, wie günstig man dort essen kann. Das auf der Karte ausgezeichnete Beck´s ist nicht zu haben aber dafür kaufe ich Efes Extra. Das Extra steht zwar nicht für mehr Geschmack (eigentlich ist Efes ein gutes Bier, um sich Bier auf dem Weg zum „trockenen“ Iran eher abzugewöhnen...) aber dafür für das Mehr an Alkohol. Ansonsten ist das Restaurant laut Aussage des Menschen da bis 2 Uhr nachts geöffnet und bietet für einigermaßen wenig Geld warmes und abwechslungsreiches Essen an.

Wir haben Glück mit unserem Waggon, es scheint der sauberste und neueste zu sein. Wagon Nr. 1. Alle anderen Wagons, die mir auf dem Weg zum Bordrestaurant entgegen kamen machen einen vollen und weniger neuen Eindruck. Mit diesem Gedanken, sollte man meinen, schläft man gleich doppelt so gut!

Ostanatolien, Tatvan, Van - Tag 52 - TransAsiaExpress, der Zweite Tag - 23.10.2014

Der Morgen überrascht mich mit Kopfschmerzen und Nasenbluten und ich brauche eine ganze Zeit, um einigermaßen auf der Höhe zu sein. Entweder hat das Extra des Efes zugeschlagen oder ich habe mich bei Mahtab angesteckt, die schon seit vorgestern über eine heftige Erkältung jammert. Nach einiger Zeit beschließe ich, dass beides zutrifft.

Wir frühstücken unseren Proviant, den wir mitgenommen haben und genießen die Zugfahrt. Wenn man aus dem Fenster guckt, macht sich gnadenlos die Osttürkei bemerkbar. Viele teilweise grüne aber auch einödige Berglandschaften und kleine chaotische Dörfer ziehen vorbei. Sowohl die Landschaft, wie auch die Menschen sehen hier anders aus wie im westlichen Rest des Landes. Die Menschen, die man draußen sehen kann, haben schon einen Schlag asiatisches an sich. Die „Fortschrittlichkeit“ die sich im Westen andeutet ist hier einem eher chaotischen Erscheinungsbild der Siedlungen und Dörfer gewichen.

Vorbeiziehender Bahnhof

Vorbeiziehende Zeltsiedlung

Vorbeiziehende Landschaft

Mittags gehen wir ins Bordrestaurant und verbrauchen unsere letzten Lira für ein brauchbares Mittagessen. Danach geht es wieder ins gemütliche Abteil. Mahtab schläft viel, ich verbringe viel Zeit mit Lesen. Insgesamt ist es eine ruhige Fahrt, bis wir schließlich am späten Nachmittag in Tatvan ankommen.

Umstieg Faehre Tatvan

Auf der Faehre

In der Faehre

Wir steigen mit allen Sachen auf eine etwas betagte Fähre um, Baujahr 1975. Sämtliche ausländischen Reisenden laufen sich über den Weg, es sind natürlich viele Deutsche dabei. So lernen wir Steffi aus Dresden kennen. Sie hat auch ihre Arbeit gekündigt, um zu reisen. Zuletzt hat sie in einer Gemeinschaft gewohnt, die sich sogar in Absprache mit örtlichen Bauern ihr Essen selbst erwirtschaftet. Steffi möchte, genau wie ich, über den Iran nach Pakistan und Indien. Das ist auf jeden Fall eine sehr spannende Reiseroute.

Ansonsten ist noch ein dänisches Pärchen, ein deutsches Pärchen, ein merkwürdig gekleideter Berliner Bayer und Ryan aus Australien mit von der Partie. Hin und wieder bilden sich kleine Gesprächsgrüppchen.

Die Fähre legt ab und macht sich auf den Weg durch den Van-See. Unterwegs werden die Passagiere mit türkischen, kurdischen und iranischen Klängen und Schlagern beschallt und einige Leute tanzen sogar. Bei manchen Liedern gehen die Menschen auf ihren Plätzen sogar durch rhythmisches Klatschen mit.

Wir kommen knapp 4 Stunden später in Van, auf der anderen Seite des Sees an, werden aber aufgefordert noch auf der Fähre zu bleiben, da unser Anschlusszug aus Teheran noch nicht da ist. Also geht es weiter mit Musik, Warten, Herumlaufen, Lesen und Quatschen.

Gegen 23 Uhr werden wir aufgefordert, die Fähre zu verlassen, damit die Passagiere, die jetzt aus dem Iran kommen in gegensätzlicher Richtung auf die Fähre können. Wir dagegen können, trotz der schon gekauften Tickets, den Zug noch nicht betreten. Zuerst müssen die Pässe und die Fahrkarten geprüft werden. Außerdem erkennt der iranische Zug die bereits in der Türkei gebuchten Sitzplätze nicht an, daher müssen sich pro Abteil 4 Leute zusammentun und ein ganzes Abteil buchen. Diese Leute müssen außerdem den selben Zielort haben.

Fahrkartenwartehalle

Also sind alle Passagiere in dieser Abfertigungshalle zusammengedrängt und es herrscht ein unglaubliches Chaos. Jeder redet mit jedem, um eine Gruppe zu bilden. Danach stürmen die Gruppen dann los auf die Offiziellen, die die Abteile verteilen. Das ganze dauert ungefähr eine Stunde und wir erhalten unser Abteil zuletzt, weil Steffi noch keine Fahrkarte hat. Steffi ist in Tatvan zugestiegen und dort konnte man ihr keine verkaufen. Auch in Van sieht es schlecht aus. Ihr wird geraten bis zum nächsten Bahnhof „schwarz“ mitzufahren und dort dann eine Fahrkarte zu kaufen. Jedenfalls sind wir jetzt zu Viert: Ryan, Steffi, Mahtab und ich bilden unser Abteil. Wir betreten den Zug und sind positiv überrascht.

Der iranische Zug offeriert seinen Gästen nicht nur Wasser und Tee auf Kosten des Hauses, auch die Abteile sind gemütlicher als die türkischen und es wird, egal wo, sehr viel Wert auf angenehmes Design und nette Verzierungen gelegt. Persische Gemütlichkeit...

Iranisches Zugabteil

Schließlich geht es gegen Mitternacht los und an der nächsten Haltestelle kaufen Mahtab und Steffi wirklich eine Fahrkarte. Danach legen sich alle hin zum schlafen.

Grenzübergänge, nach Täbriz - Tag 53 - TransAsiaExpress, der längste Tag - 24.10.2014

Es ist halb 3 Uhr morgens. Wir werden vom Zugpersonal geweckt, sollen den Zug verlassen und zum Grenzübergang laufen. Der Zug wird hinter uns abgesperrt. Draußen herrscht eine bittere Kälte und es ist etwas neblig. Die Luft kondensiert teilweise beim Ausatmen. Alle Passagiere quetschen sich in die Abfertigungshalle des Grenzübergangs. Erst herrscht große Verwirrung, wo wir hier genau sind aber es handelt sich um den Grenzübergang raus aus der Türkei.

Als ich gerade dabei bin das Gebäude zu betreten, sehe ich ein bekanntes Gesicht: Es ist Malte, den ich in Selcuk kennengelernt habe. Julia ist auch nicht weit. Wir begrüßen uns herzlich und erzählen uns, was die letzten Wochen bei uns so passiert ist. Malte und Julia haben sich entschieden, eine kleine Tour durch die Südosttürkei zu machen und berichten von der angespannten Lage in der überwiegend kurdischen Region mit vielen Sicherheitskräften, Panzern, Wasserwerfern etc. Sie habe sogar in einem Hotel übernachtet in der sonst nur Hundertschaften der türkischen Polizei untergebracht waren. Der jetzige Zeitpunkt erschien mir schon im Vorhinein nur bedingt geeignet für eine Runde durch den wilden Südosten. Allerdings berichten sie auch von überbordender Gastfreundschaft der Kurden trotz der insgesamt angespannten Lage dort.

Alle warten eine gute halbe Stunde, bis sich die ersten Grenzer an ihren Arbeitsplatz bemühen. Nach einer weiteren halben Stunde hat jeder seinen Auscheckstempel aus der Türkei im Pass. Wir betreten wieder den Zug und schlafen sofort wieder ein. Immerhin ist der Zug schön warm, teilweise zu warm.

Schätzungsweise zweieinhalb Stunden später klopft es an der Tür. Es ist die iranische Grenzschutzpolizei und wir werden nett aber bestimmt aufgefordert unsere Pässe auszuhändigen. Nachdem wir das getan haben, können wir weiter schlafen. Ich bin aber ein wenig abgespannt und habe damit so meine Schwierigkeiten.

Später, bei einbrechendem Tageslicht, werden alle Reisenden aufgefordert mit allem Gepäck den Zug zu verlassen und sich in die Abfertigungshalle der iranischen Grenzer zu bemühen. Mal wieder eine totale Völkerwanderung. Dann passiert erst mal anderthalb Stunden überhaupt nichts. Immerhin kann man Tee kaufen, auf Toilette gehen, sich an der Gepäckwaage wiegen lassen (Ryan wiegt 112 kg), die Berge angucken und Gespräche führen.

Gruppenfoto am Grenzuebergang

Ich bin total müde und spüre die Erkältung im Körper aber hilft ja alles nichts. Mahtab wird öfters von den Offiziellen zu einem Gespräch gebeten. Die britisch-iranische Reisende ebenfalls, sogar einmal ohne Kenntnis ihres mitreisenden Freundes, der darauf total überfordert und nervös durch die Hallen gedackelt ist bis Mahtab ihn beruhigen konnte. Hauptsächlich wurden ihnen Fragen gestellt wegen der doppelten Staatsbürgerschaft.

Mahtab wurde gefragt, ob ihre ehemalige Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland ein israelisches Visum ist, was aber eher auf die Unwissenheit der Grenzer zurückzuführen ist. Außerdem soll sie ein Formular zur doppelten Staatsbürgerschaft ausfüllen, sagt aber, dass sie da keine Lust drauf hat und muss es dann nicht mehr. Alles sehr locker und freundlich.

Irgendwann werden draußen die Pässe verteilt und ich bewundere meinen iranischen Stempel. Mit meiner Einreise in den Iran wechsele ich nicht nur in eine andere Zeitzone sondern auch in eine andere Kalenderzone: Es ist nicht mehr der 24. Oktober 2014 sondern der 2. Abad 1393 (persischer Kalender). Dies wird durch den Eingangsstempel in meinem Reisepass belegt.

Anscheinend kann man wohl auch Fotos vom Grenzübergang machen, zumindest hat sich ein Polizist daran überhaupt nicht gestört und sogar Fotos von einem Reisenden gemacht. Nach mehreren Stunden Warten und Rückgabe der Pässe wird wohl nun endlich das Gepäck geprüft. Die meisten Reisenden haben hierzu von der Wartehalle in eine Gepäckbearbeitungshalle gewechselt.

Freundlicherweise werden aber wohl die ausländischen Reisenden (was ja eh nur eine Handvoll ist...) vorgezogen und wir dürfen das Gepäck auf einen Tisch legen, wo der zuständige Beamte je nach Laune die Sachen einfach weiter schiebt ohne zu prüfen oder wie bei mir, gerne in meinen Rucksack gucken möchte. Nachdem ihm einige Kleidungsstücke entgegenkommen, winkt er ab. Der kleine Rucksack, den ich auf dem Rücken trage interessieren ihn genauso wenig wie die Gitarre. Bei Mahtab guckt er auch eben kurz rein, aber winkt nach drei Teilen wieder ab.

Die ganze Abwicklung hat zwar unglaublich lange gedauert und war auch aufgrund der Tageszeit sehr erschöpfend aber Alles in Allem kann man sich über nichts beschweren. Alle waren zwar hin und wieder bestimmt aber freundlich.

Damit haben wir vor den anderen iranischen Reisenden einen riesigen Vorteil und können schon den Zug betreten und einen Tee im Restaurant trinken. Wenn ich an die Einreise in manch anderes Land denke, wo sehr viel Wert drauf gelegt wird, Einreisende zu demütigen, einzuschüchtern und als Bittsteller und / oder Terrorist darzustellen (Beispiel Ami-Land...) ist das hier schon sehr angenehm.

Bordrestaurant

Fruehstueck mit MuFuBrot

Das Bordrestaurant wird nun zum Treffpunkt. Malte und Julia, Steffi, Ryan, Mahtab und meine Wenigkeit genehmigen uns ein Frühstück während wir darauf warten, dass alle anderen Reisenden durch die Gepäckkontrolle kommen. Es gibt Brot, was aussieht wie Luftpolsterfolie und was von uns dann auch liebevoll „multi-purpose-bread“ getauft wird. Es ist absolut geschmacksneutral und vielfach verwendbar.

Die ostanatolische Landschaft und die chaotischen Dörfer weichen bei der Weiterfahrt einer gewissen persischen Grundstruktur. Es gibt keine halb fertig gebauten Häuser mehr, alle Dörfer wirken größtenteils geordnet. Selbst die Farbe der Berge verändert sich zu einem konstanten Ocker, bis wir schließlich gegen 15 Uhr in Täbriz ankommen.

Allgegenwaertiges Ocker

Es findet eine große Verabschiedungswelle statt und ein Polizist am Bahnhof möchte gerne unsere Pässe sehen. Normalerweise soll sowas nicht vorkommen, schließlich haben wir das ganze Schauspiel mit Grenzübergang gerade hinter uns, aber weiß der Geier was den Polizisten treibt. Darauf verlassen wir den Bahnhof aber die Reise mit dem TransAsiaExpress wird mir auf Ewig in Erinnerung bleiben.

Taebriz

Der Zug

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